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Am Rande des Wahnsinns...


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Hallo du wundervolle Seele, schön dass du hier bist.


Ich möchte dir hier ein bisschen von mir erzählen. Dich mitnehmen in meine Vergangenheit, auf meinen „Leidens“ Weg, meine persönliche Heilreise. Ich versuche dir zunächst einen groben Überblick zu verschaffen, damit du mich besser kennenlernen kannst. Dann können wir gemeinsam Stück für Stück tiefer eintauchen. Eines noch vorweg – ich habe noch nie für jemand anderen als mich selbst geschrieben, du bist also Zeugin dieser Premiere.


Ich bin heute 46 Jahre alt und solange ich mich erinnern kann, habe ich mir immer eine Bilderbuchfamilie gewünscht. Verheiratet, zwei Kinder, Haus und Hund und ich wollte es anders machen als meine Eltern. So ganz ohne Scheidung und achtsam im Umgang mit unseren Kindern, liebevoll und auf Augenhöhe. Und ich wollte nie „nur“ Hausfrau und Mutter sein. Ich wollte weiterhin arbeiten gehen. Ich wollte alles auf einmal schaffen. So gut wie möglich und aus eigener Kraft. Die perfekte Familie, die perfekte Ehe, das perfekte Leben. Happy Family halt – und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende…



Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Wilhelm Busch



Ganz so wie im Bilderbuch waren die letzten Jahre allerdings nicht.


Ich kann keine konkrete Situation benennen, an der ich falsch abgebogen bin. Es gibt nicht das eine Ereignis, ab dem alles aus dem Ruder gelaufen ist. Das Leben ist eine aneinander Reihung von vielen Ereignissen, die uns zu dem Menschen machen der wir jetzt sind. Wir alle tragen einen Rucksack mit uns und stopfen da über die Jahre Erfahrungen rein. Die schönen und Erinnerungswürdigen und auch die schlechten. Die werden am liebsten ganz nach unten in den Rucksack geschoben damit sie aus unserem Sichtfeld bleiben. Dann und wann müssten wir uns einen neuen Rucksack kaufen, weil der alte voll ist. Aber dafür haben wir keine Zeit. Und so stopfen wir immer weiter alles rein, bis die Nähte irgendwann reißen und unser ganzes Gepäck überquillt.


Und so war das auch bei mir. Wo ist wohl der beste Punkt, an dem meine Geschichte für dich beginnen soll? Ich denke ich nehme dich zu einem Zeitpunkt mit, an dem mir zum ersten Mal gedämmert ist, dass mein Rucksack langsam aus allen Nähten platzt.


Es ist 2018, ich bin vierzig Jahre alt, Mama von zwei wundervollen Mädchen, Ehefrau, Führungskraft, Hausfrau und noch so viele Rollen mehr. Wir haben ein Haus mit Garten, einen Hund, alles perfekt. Wenn du mich fragen würdest, wie es mir geht, ich würde antworten „gut“. Das ist meine Standardantwort auf diese Frage. Eigentlich könnte ich glücklich sein, nur leider ist das nicht so. Ganz ehrlich, mir geht es einfach beschissen. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich feststecke. Ich bin nicht zufrieden damit, wie es gerade läuft.


Der Großteil der Arbeit außerhalb meines Jobs bleibt an mir hängen. Ich kümmere mich um die Kinder mit allem was dazu gehört. Care Arbeit ist dir vielleicht schon ein Begriff. Du kennst das vielleicht auch. Ich gehe einkaufen, koche, putze, mache die Wäsche, den privaten Papierkram und bin permanent Ansprechpartnerin für meinen Mann und die Kinder. Ich habe zum ersten Mal einen Artikel zum Thema Mental Load gelesen und mich darin wieder gefunden. Das muss also die Lösung für mein Dilemma sein. Die Tätigkeiten fair aufzuteilen. Das ist nur gar nicht so leicht, wenn dein Partner sich auch ausgelastet fühlt. Und ausgelastet, ja, das bin ich definitiv. Ich fühle mich ausgelaugt und am Limit. Die Fahrt zur Arbeit fällt mir jeden Tag schwerer. Und ich bin ständig gereizt, meine Nerven liegen blank. Mein Nervensystem spielt verrückt und schreit um Hilfe. Dafür schreie ich mit den Kindern, wenn sie nicht hören. Ich schreie mit dem Hund, wenn er nicht das tut, was er tun soll. Und mein Mann kann mich in Null Komma nix derart auf die Palme bringen, dass ich auch ihn anschreie. Meine Zündschnur wird immer kürzer. Ich habe das Gefühl jeder reißt an mir.


Schreien ist wie ein Ventil, um mir Luft zu machen. Um mir vermeintlich Gehör zu verschaffen. Ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen. Ich bin von mir selbst erschrocken. So eine Mama und Partnerin wollte ich nie sein. Wie kann ich nur so die Contenance verlieren? Wenn sich die Wogen nach einem Streit wieder geglättet haben, weiß ich ehrlich gesagt nicht mal mehr, worum es ging. Und ich frage mich, warum ist die Wut dann so groß, wo ich doch nicht mal mehr den Ursprung dafür finde? Und weil mir das nicht klar ist, versuche ich weniger wütend zu werden, gelassener zu bleiben. Konkret bedeutet das für mich, über Dinge hinwegzusehen, die mich eigentlich stören, um mich nicht zu ärgern. Ich versuche nichts zu sagen, um nicht zu streiten und nicht wütend zu werden. Was am Ende des Tages dazu führt, dass die Wut umso heftiger aus mir herausbricht. Das funktioniert so schonmal nicht, aber ich übe weiter.


Ich hole kurz noch ein bisschen weiter aus. Die letzten acht Jahre waren hart. Wir haben in dieser Zeit viele Verluste in der Familie erlitten und ich war gesundheitlich sehr angeschlagen. Ich hatte kalte Knoten und musste an der Schilddrüse operiert werden. Die Geburt unserer zweiten Tochter war sehr schwer – im Grunde genau wie die Geburt unserer großen. Ich habe viel Blut verloren. Das Wochenbett habe ich nicht so ernst genommen, schließlich muss der „Laden“ ja weiterlaufen. Gesundheitlich läuft es weiterhin nicht berauschend. Ich sitze öfter beim Arzt, um meine Symptome abklären zu lassen. Es folgen eine geplatzte Zyste, die mir starke Schmerzen verursacht hat. Ein Magen der ständig rebelliert, Sodbrennen, immer stärker werdende Übelkeit. Starke Kreislaufprobleme und die Angst, in Ohnmacht zu fallen. Ekzeme am Körper, Tinnitus, Knieschmerzen und dazwischen immer wieder die ärztlichen Aussagen „das ist Psychosomatisch“. Ich habe schreckliche Angst, dass ich eine schlummernde, schwerwiegende Krankheit in mir trage und ich werde einfach nicht ernst genommen. Die Ärzte konnten mir nicht weiterhelfen. Mit jemandem anderem darüber geredet habe ich nicht. Ich fange an, mich an Selbstdiagnosen zu üben. Ich habe mir Hilfe bei der TCM versprochen, bin zur Akkupunktur gegangen. Yoga, Meditation und positive Affirmationen sollen mich ausbalancieren. Und alles für sich hat mich auch ein Stückchen weiter gebracht. Nur nichts davon war die ultimative Lösung für meine Probleme. Ich versuche krampfhaft Heilung für mich zu finden. Und ich versuche krampfhaft, mich irgendwie zu entspannen. Ironischerweise schließt das eine das andere von vornherein aus.


Ich habe keine Kraft mehr und ich kann keine Freude empfinden. Meine Akkus sind leer und ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich sie wieder aufladen kann. Ich habe schlichtweg keine Zeit mich um meine Akkus zu kümmern. Von allen Seiten wird an mir gezerrt. Auf der Arbeit muss ich Leistung abliefern, der Haushalt ist zu schmeißen, mein Mann hat ständig tausend Fragen an mich und natürlich fordern auch die Kinder ihre Bedürfnisse ein, nicht zu vergessen unsere Hündin.


In letzter Zeit wird meine Wut immer größer. Sie kommt immer heftiger und in immer kürzeren Abständen. Ich kann gar nicht sagen, was passiert. Es ist, als würde sich ein Schalter in meinem Kopf umlegen. Eben versuche ich noch gelassen zu sein und im nächsten Moment platze ich. Mir schwirrt der Schädel. Es surrt in meinem Kopf, gerade so als würden mir die "Sicherungen" durchbrennen. Und in diesen Momenten sehe ich nur noch rot. Mein Nervensystem ist bis zum Anschlag in Aktion. Wenn ich so rasend vor Wut bin, weiß ich nicht, wohin mit mir. Ich möchte nur wegrennen. Meine Tasche packen, verschwinden. In diesen Momenten habe ich Angst durchzudrehen, ich habe Angst meinen Verstand zu verlieren. Ich könnte mich in der Luft zerreißen.


Ich bin auf dem besten Weg, eine verbitterte griesgrämige Frau zu werden – der Gedanke kommt mir immer öfter. So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt. Soll das jetzt immer so weitergehen? Für den Rest meines Lebens? Das kanns doch nicht gewesen sein, oder doch?


Und doch, ich funktioniere. Ich renne weiter durch mein Hamsterrad, drehe meine Runden. Bringe die Tage hinter mich und liege nachts stundenlang wach, bis ich einschlafen kann. In meinem Kopf ist es so unfassbar laut. Meine Gedanken ziehen Kreise, oft auch um sich selbst. Und trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser Lautstärke in meinem Kopf kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich werde immer zerstreuter, kann mich auf nichts konzentrieren, ständiges Overthinking und dann wieder absoluter Brain Fog. Ich vergesse wichtige Termine, Geburtstage, den Kindergartenfotograf für die Abschiedsfotos. Letzteres hat mich ganz besonders geärgert. Ich war so sauer auf mich selbst. Sauer auf diese Welt, die mir das antut. Die mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Wütend auf meinen Mann, von dem ich mich nicht unterstützt fühle und der, so dachte ich, nicht gesehen hat, wie schlecht es mir geht.


Immer wenn ich denke „jetzt kann ich wirklich nicht mehr, ich breche zusammen“, kommen mir meine alten Glaubenssätze zu Hilfe und verleihen mir einen Boost zum Weitermachen, so zum Beispiel, Selbst ist die Frau // Wenn du dich auf andere verlässt, bist du verlassen // Ohne Fleiß kein Preis // Erst die Arbeit, dann das Vergnügen… Und schon mache ich weiter. Gerade so, als würden diese Glaubenssätze mich mit zusätzlicher Energie aufladen…. Haben sie aber nicht. Tatsächlich funktioniere ich nur noch, ich fühle mich wie ferngesteuert, absolut fremdbestimmt.


Meine Fassade, alles perfekt im Griff zu haben, fängt an zu bröckeln.



Wenn es dir so oder ähnlich geht, möchte ich dich wissen lassen, dass du nicht allein bist.

Ich fühle dich.


Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar hierlässt. Wie fühlst du dich im Moment?

Und auch wenn da gar nichts ist – wenn du nichts fühlst. Wenn du „einfach nur“ leer bist.


Lass es mich gerne wissen. Hier wird nicht gewertet oder geurteilt.



Du möchtest lieber gleich in die Veränderung kommen? Gerne unterstütze ich dich mit NESC Coaching in deinem Prozess. Für eine kostenloses Infogespräch melde dich gerne bei mir.






 
 
 

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